Prof. Dr. Walter Rolland

Zum Gedenken

Prof. Dr. Walter Rolland ist am 9. Januar 2016, kurz nach seinem 87. Geburtstag, in Bonn verstorben.

In der Vita Walter Rollands spiegelt sich die Vielfalt juristischer Berufswege. Als junger Amtsgerichtsrat wurde er an das Bundesministerium der Justiz berufen. Seine forensische Erfahrung kam ihm fortan in Administration und Legislative zugute: Zu administrieren war Rolland zunächst als Personalreferent aufgegeben, später als Ministerialdirektor in der für Ministerium und Geschäftsbereiche zuständigen Verwaltungsabteilung. Gesetzgebungsarbeit oblag Rolland als Leiter der familienrechtlichen Unterabteilung, später der Abteilung für bürgerliches Recht – und das begleitet von großem Erfolg: Die Neuordnung des Adoptionsrechtes und des Rechts der elterlichen Sorge, die Eherechtsreform, das AGB-Gesetz und das Produkthaftungsgesetz, das IPR-Neuregelungsgesetz, die Überleitung des BGB in die neuen Länder, das Betreuungsrecht, das Namensrecht, die Anfänge der Kindschaftsrechtsreform und die Grundlagen einer Neuordnung des Schiedsverfahrensrechts sind von Walter Rolland – zum Teil inhaltlich detailliert – mitgeformt und fachlich verantwortet worden.

Bei all dem wusste sich Rolland stets auch der Wissenschaft verpflichtet. Sie verdankt ihm anerkannt grundlegende Kommentare zu 1. EheRG, zur VAHRG, zum Produkthaftpflichtgesetz und – als Mitautor und Herausgeber – zum Familienrecht insgesamt. In diese Reihe fügt sich auch der Abschlussbericht der vom Bundesminister der Justiz einberufenen Kommission zur Überarbeitung des Schuldrechts, die unter Rollands Vorsitz in mehrjährigen Beratungen Gedanken entwickelt hat, die für die spätere Schuldrechtsmodernisierung tragend werden sollten.

Der internationalen Dimension von Rechtspolitik und Rechtswissenschaft war Rolland sich dabei stets bewusst. Davon geben – neben einer umfänglichen Vortrags- und Vorlesungstätigkeit im Ausland – seine vielfältigen Berufungen beredt Zeugnis: so etwa in den Deutschen Rat für Internationales Privatrecht, in das Kuratorium des Max-Planck-Instituts für ausländisches und internationales Privatrecht und in den Direktionsrat der Unidroit.

Walter Rolland war ein politisch denkender, wertebewusster Jurist. Werteorientierte Neuerungen machte für ihn das Ziel legislativer Arbeit aus; inhaltliche Beliebigkeit, Hand in Hand mit politischer Opportunität, schien ihm solche Arbeit zu entwerten. Als Rolland 1992 – 63jährig und von Bundespräsidenten mit dem Großen Verdienstkreuz geehrt -  aus dem Bundesministerium der Justiz ausschied, wurde er mit der Berufung auf eine ordentliche Professur an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg vor eine neu anspruchsvolle Aufgabe gestellt. Hier fand er u.a. Gelegenheit, die Rezeption des bundesdeutschen Zivilrechts in den neuen Ländern wissenschaftlich aufzuarbeiten. Mit der Verleihung der Stiftungsprofessur „Zivilrecht der Deutschen Einheit“ erfuhr seine Arbeit besondere Anerkennung. Rollands 70. Geburtstag ist mit einer Festschrift gewürdigt worden. Seinen 75. Geburtstag hat die Hallesche Fakultät mit einem Symposium zum Thema „Moderne Zivilrechtsreformen und ihre Wirkung – Familienrecht, Schiedsverfahrensrecht, Schuldrecht“, seinen 80. Geburtstag mit einem Colloquium begangen.

Mit dem Tod Walter Rollands hat die Universitätslandschaft einen bei Kollegen wie Studenten geschätzten und beliebten Rechtslehrer verloren; die Familienrechtswissenschaft ist um einen namhaften Vertreter ärmer. Walter Rollands Gradlinigkeit, seine Menschlichkeit, auch sein Feinsinn und dezenter Humor werden vielen in Erinnerung bleiben. Und nicht wenige werden Walter Rolland sehr vermissen.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                           Thomas Wagenitz
Fundstelle: FamRZ 2016, 359