Dr. Rainer Hoppenz

Zum Gedenken

Rainer Hoppenz ist tot, mitten aus dem Leben herausgerissen beim Doppelkopfspiel. Schwer zu fassen, dass er plötzlich nicht mehr unter uns ist! Er hatte noch viel vor. Am 29. Februar wäre er 76 Jahre alt geworden. Sein Bild ist vor Augen: hochgewachsen, dürr, meist in Jeans und Lederjacke, mit oft skeptischem, gelegentlich sogar grimmigem Blick, und dann wieder einem ganz besonders herzhaften Lachen.

Seit 1970 war Hoppenz Richter auf Lebenszeit. Nach seiner Abordnung an den BGH (IX. ZS, 1971-1973) wurde er 1978 zum Richter am OLG ernannt. In der Folgezeit war er, nur unterbrochen durch den Vorsitz einer Zivilkammer am LG Baden-Baden (1989-1995), vornehmlich in Familiensachen tätig, seit 1995 als Vorsitzender u.a. eines Familiensenats. Als Beisitzer habe ich seine souveräne, ausgewogene, manchmal strenge und dann wieder besonders einfühlsame Verhandlungsführung miterlebt. 2005 wurde Hoppenz mit Erreichen der Altersgrenze in den Ruhestand versetzt. Dass eine Verlängerung damals nicht möglich war, hat er zutiefst bedauert und nie einen Hehl daraus gemacht, dass er seine Richtertätigkeit gern noch eine Weile fortgesetzt hätte, denn er hat seinen Beruf als Berufung empfunden. Die große Wertschätzung, die ihm entgegengebracht wurde, zeigte sich nicht nur im OLG, sondern etwa auch auf den Jahrestagungen der Wissenschaftlichen Vereinigung, an denen er mit seiner Frau teilnahm.

Hoppens legte Wert auf seine Unabhängigkeit als Richter, aber auch als Wissenschaftler: Sein Kommentar – der „Hoppenz“ – gedieh bis zur 9. Auflage, seine zahlreichen Beiträge in rund dreißig Jahren vornehmlich in der FamRZ (insbesondere zum Zugewinnausgleich und Nebengüterrecht, zur Ausübungskontrolle bei Eheverträgen, zu Auskunftspflichten, Abänderungsverfahren und anderen Verfahrensfragen) sind und bleiben ein beredtes Zeugnis seines kritischen analytischen Denkens. Er scheute sich nicht, Unstimmigkeiten offen auszusprechen und Verwerfungen auf den Punkt zu bringen – nicht, um sich in Szene zu setzen, sondern der Sache wegen. Er war ein Meister der knappen Formulierung, Humor und Feinsinn, etwa zur Rechtssprache, hat er bei seinen Glossen bewiesen (FamRZ 1989, 355; FamRZ 2010, 1792). Sein umfangreiches Fachwissen hat er mit Freude und Engagement vermittelt: sei es beim Familiengerichtstag als Arbeitskreisleiter und Referent, sei es als Dozent, bis zuletzt an der Richterakademie Trier.

Hoppenz war geradlinig in seinem Handeln, differenziert in seinem Denken, dogmatisch fundiert und schnörkellos. Ein kreativer „Quer-Denker“. Ausgetretene Denkpfade mied er – und ging seinen Weg auch allein, wenn es aus seiner Sicht sein musste. Hielt er eine andere Meinung für falsch, suchte er die Auseinandersetzung und ließ nicht locker, immer darauf bedacht, in der stets sachlichen, aber auch durchaus schonungslos geführten Kontroverse den Respekt gegenüber dem Andersdenkenden erkennen zu lassen. Oft konnte er mit seiner durchdachten Kritik, und sei es nach längerem Diskurs, überzeugen.

Seine Interessen waren vielfältig: Die Juristerei, ganz besonders das Familienrecht, prägte zwar sein Leben, ebenso aber hatte er Freude an moderner (Philip Glass) wie klassischer Musik (Beethovens Klaviersonaten, die er minutiös mit Partitur studierte) und der Kunst (bis hin zur zeitgenössischen Street Art), von anderen eher ungewöhnlichen Interessensgebieten (vgl. FamRZ 2010, 346) und seiner Fossiliensammlung ganz zu schweigen. Und er fuhr mit Leidenschaft einen „Oldtimer“ Marke Saab, tauschte sich darüber mit Insidern aus, ohne Aufhebens, einfach spaßeshalber.

Wir haben einen hochgebildeten, naturverbundenen, humorvollen und stets bescheidenen Menschen mit einer ganz besonderen, durchaus kantigen und manchmal eigensinnige, aber auch sensiblen Persönlichkeit verloren. Hoppenz war unverwechselbar. Mit ihm hat mich, nicht zuletzt aus der Zusammenarbeit im Senat erwachsen, eine herzliche Freundschaft verbunden. Ich habe diesen Freund nun verloren. Das Familienrecht hat einen seiner bedeutenden Repräsentanten verloren. Aber er hat deutliche Spuren hinterlassen und bleibt uns allen unvergessen!                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                       Gerd Brudermüller
Fundstelle: FamRZ 2016, 285