Band 14 Forschungsethik

Inhaltsverzeichnis

I. Beiträge

Volker Rieble
Wissenschaftsredlichkeit durch ethische Selbstlenkung oder rechtlichen Zwang?

Bernice Elger, Sabrina Engel-Glatter
Wissenschaftliche Integrität: Umgang mit Daten und Publikationsethik

Christian Kind
Gefährliche Forschung - Unnötige Forschung - Fehlende Forschung
Wie gefährdet Fehlverhalten in der klinischen Forschung den Patienten und
wie lässt sich das vermeiden ?

Dieter Birnbacher
Gute Früchte vom verbotenen Baum? Complicity in der medizinischen Forschung

II. Autorenverzeichnis

III. Materialien

Sicherung guter wissenschaftlicher Praxi s - Link zur DFGDenkschrift 
Wissenschaftliche Integrität - Akademien der Wissenschaften Schweiz
Anhang I gem. Punkt 1.8 der Geschäftsordnung der Kommission für wissenschaftliche Integrität (Österreich)
The European Code of Conduct for Research Integrity 

Vorwort

Die Jahrestagung 2013 des „Instituts für Angewandte Ethik" in Bad Dürkheim hat sich am 22./23. März mit einem aktuellen Grundlagenthema der angewandten Ethik befasst: der Forschungsethik. Das Phänomen wissenschaftlichen Fehlverhaltens von Forschern gibt es, seit man Forschung betreibt - Unredlichkeit wie Redlichkeit findet sich eben in allen Lebensgebieten. Aus verschiedenen Gründen nehmen wir aber Fragen der wissenschaftlichen Integrität heute mitunter deutlicher wahr als in früheren Zeiten. Zum einen wird Forschung, insbesondere medizinische Forschung, für unser aller Leben immer wichtiger, betrifft uns immer unmittelbarer und wir fühlen uns durch nicht integres Vorgehen in diesem Bereich deshalb auch direkt beeinträchtigt. Zum anderen machen es Fortschritte der Informationstechnologie auch unredlich handelnden Forschern immer einfacher. z.B. Daten zu verfälschen oder ihre Umwelt durch Plagiate zu täuschen - gerade dieser technologische Fortschritt hilft aber umgekehrt auch bei der Aufklärung eben solcher Fälschungen und Täuschungen. Schließlich und vor allem ändert und verfeinert sich unsere Sensibilität: Nicht alles. was in der Forschung etwa am Menschen oder am Tier medizinisch möglich wäre, sind wir bereit, unter ethischen Gesichtspunkten zuzulassen, und Integritätsfragen der Forschung rücken zunehmend in den Fokus der (Menschen-)Würde-Debatte. Die anlässlich dieser Jahrestagung gehaltenen Vorträge werden hiermit der Öffentlichkeit vorgelegt. Am Kolloquium wurden fünf Vorträge gehalten, von denen vier für die Veröffentlichung frei gegeben wurden.

Professor Volker Rieble aus München wirft die grundlegende Frage auf. ob man wissenschaftliche Integrität besser durch ethische Selbstkontrolle der Wissenschaft oder aber mit Hilfe einer staatlichen Wissenschaftsbehörde durchsetzen sollte. Bei prinzipieller Bejahung einer Selbstkontrolle der Wissenschaft geht er auf unterschiedliche Erscheinungsformen dieser Selbstkontrolle ein: durch Publikationen, insbesondere Rezensionen, durch Internetkritik, durch Kontrolle seitens der Verlage und Redaktionen und schließlich durch Kontrolle, die von wissenschaftlichen Organisationen, insbesondere Forschungsförderungseinrichtungen, vorgenommen wird.

Professor Diethelm Klippel aus Bayreuth ging es in seinem Vortrag am Beispiel der Plagiatsaffäre von zu Guttenberg um die Suche nach den daraus zu ziehenden Lehren. Leider kann dieser Beitrag hier nicht abgedruckt werden.

Professorin Bernice Elger und Sabrina Engel-Glattner aus Basel betrachten näher die Publikationsethik unter dem Gesichtspunkt der Fabrikation. Falsifikation und des Plagiarismus, also des Erfindens, Verzerrens und der falschen Inanspruchnahme der Autorschaft. Aber auch viele andere Arten des Fehlverhaltens beim Publizieren machen sie in ihrem Beitrag zum Gegenstand. Dabei richten sie auch das Augenmerk darauf, dass bisher die Mehrheit der durch die Medien bekannt gewordenen Fälschungsskandale die biomedizinische und die psychologische Forschung betroffen haben.

Eine zentrale Frage stellt Professor Christian Kind aus St. Gallen, Präsident der Zentralen Ethikkommission der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW). Was gefährdet den Patienten mehr: ist es die gefährliche Forschung, die unnötige Forschung oder die fehlende Forschung? Unnötige, nutzlose Studien schafften überflüssige Gefahren, aber auch fehlende Forschung, beispielsweise bei Kindern, die dann mit Medikamenten für Erwachsene behandelt werden müssten, sei eine Quelle von erheblichen Gefahren. Um solche Forschung zu ermöglichen, plädiert Prof. Kind u.a. für weniger strikte Regeln bei weniger gefährlicher Forschung. Zweifel äußert er u.a. an der Unterscheidung von Forschung mit oder ohne direkten Nutzen für den Betroffenen.

Schließlich geht Professor Dieter Birnbacher aus Düsseldorf den Fragen der Komplizität in der medizinischen Forschung nach: Dürfen z.B. auf moralisch verwerfliche Weise zustande gekommene Resultate der Forschung durch andere Forscher oder Praktiker genützt werden? Prof. Birnbacher differenziert zwischen gestuften Arten der Komplizität bei wissenschaftlichem Fehlverhalten, angefangen bei der direkten Teilnahme über die Nutzung der Ergebnisse bis zu einer (zu) großzügigen Beurteilung des Fehlverhaltens anderer oder widersprüchlichem Verhalten zwischen ausdrücklich geäußerter Kritik am Fehlverhalten und konkludent doch das Fehlverhalten förderndem Handeln.

Der zweite Teil des Bandes enthält wichtige Materialien zur Forschungs-Ethik. Die Denkschrift der DFG „zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis" konnte leider aus urheberrechtlichen Gründen nicht abgedruckt werden. Hier bitten wir dem angegebenen Link zu folgen. Abgedruckt sind aber die „Grundsätze und Verfahrensregeln" zum Thema „Wissenschaftliche Integrität" der .Akademien der Wissenschaften Schweiz" sowie der Anhang I der „Geschäftsordnung der Kommission für wissenschaftliche Integrität zur Untersuchung von Vorwürfen wissenschaftlichen Fehlverhaltens" aus Österreich und „The European Code of Conduct for Research Integrity" der „European Science Foundation". Den beteiligten Institutionen sei für ihre Abdruckerlaubnis gedankt.

Daniela Demko                                                                              Gerd Brudermüller