BAND 13 - Kriegs-Recht?

Inhaltsverzeichnis
I. Aktuelle Beiträge
Hans-Lothar Dornröse
Gedanken zur modernen Theorie des heutigen Krieges
Otto Depenheuer
Das Bürgeropfer im Rechtsstaat
Staatsphilosophische Überlegungen zu einem staatsrechtlichen Tabu
Gerhard Luf
Der „gerechte Krieg" — rechtsphilosophische Überlegungen zur Renaissance eines überwunden geglaubten Konzepts
Daniela Demko
Die Lehre vom „gerechten Krieg" und die Kriegsverbrechen im internationalen Strafrecht — Ein Beitrag zum Zusammenspiel von Moralphilosophie, Völkerrecht und Völkerstrafrecht
Winfried Hinsch
Humanitäre Interventionen: ethisch, rechtlich, politisch

II. Materialien
Sun Tsu
aus: Die Kunst des Krieges
Franciscus de Vitoria
aus: Vorlesungen über die kürzlich entdeckten Inder etc.
Hugo Grotius
aus: Drei Bücher über das Recht des Krieges und des Friedens
Quincy Wright
aus: A. Study of War  

    

 Vorwort
Der Band ist aus einem Symposion anlässlich der Jahrestagung 2012 des Instituts für Angewandte Ethik, Bad Dürkheim, hervorgegangen und enthält in seinem Hauptteil die anlässlich des Symposions vorgetragenen Referate zur Thematik „Kriegs-Recht". Im Anhang sind als Materialiensammlung klassische Texte zum Thema abgedruckt: Ausschnitte aus Sun Tsus vor zweieinhalb Jahrtausenden in China verfasster „Kunst des Krieges", aus der 1532 geschriebenen Relectio „De iure belli" des spätscholastischen Autors Francisco de Vitoria, der oft als Vater des modernen Völkerrechts bezeichnet wird, ein Ausschnitt zur Legitimation des Krieges aus Hugo Grotius' 1625 erschienenes Werk „Drei Bücher über das Recht des Krieges und des Friedens" und schliesslich Ausschnitte aus einem moderner Klassiker, Quincy Wrights grossem Werk „A Study of War" von 1942. Das Symposion hat sich mit philosophischen Fragen zum Verhältnis von Krieg und Recht befasst. Es ging also um die philosophischen Grundfragen einer Legitimation und Einhegung von Kriegen einschließlich der rechtlichen Ausformungen dieser und anderer Fragen, die sich im Zusammenhang mit dem Thema Krieg stellen: Kann Krieg überhaupt je legitimiert werden — ist er doch in seinem Kern ungerecht, weil anders als bei der individuellen Selbstverteidigung im Krieg immer und unvermeidlich auch Nichtbeteiligte und Nichtverantwortliche getötet und verstümmelt werden? Gibt es andererseits tatsächlich stets Alternativen zum Krieg, oder gibt es Situationen, in denen der Krieg nicht nur unvermeidbar ist, sondern auch moralisch und juristisch gerechtfertigt und damit womöglich „gerecht" — gar mit der Folge, dass man sich als Individuum in ihm aufopfern muss? Und welche Bedingungen muss der Anlass zum Krieg dann erfüllen können, um wenn schon vielleicht nicht gerecht so wenigstens gerechtfertigt zu erscheinen? Oder behält der preußische General Clausewitz („Vom Kriege") darin recht, dass Krieg nur die Weiterführung der Politik mit anderen Mitteln ist, etwa um beliebige nationale Interessen zu schützen? Und wenn Krieg geführt wird: wie sind Handlungen im Krieg moralisch und rechtlich zu beurteilen, welches Verhalten im Krieg ist lobenswert und welches zu verurteilen, welches gar strafbar? General Domröse aus Brüssel schreibt dazu aus der Sicht eines Insiders, der in NATO-Stäben gearbeitet, aber auch Einsätze kommandiert hat. Gibt es gar eine „Pflicht, für das Vaterland zu sterben" — dies ist das Thema, das Otto Depenheuer (Universität Köln) behandelt. Und was ist überhaupt moralisch beurteilbar: Nur Handlungen von Individuen oder auch Krieg „an sich"? Und welche Rolle spielt dabei das Recht? Inwiefern kann es ein „Kriegs-Recht" geben, oder eine „Rechtsphilosophie des Krieges"? Solchen Fragen wendet sich Gerhard Luf (Universität Wien) in seinem Beitrag zu. Über Recht, Moral und Strafbarkeit von Kriegsbeginn und Kriegsaustragung, genauer über den Zusammenhang zwischen einer völkerrechtlichen Regulierung und einer moralischen Einschätzung der Kriegsführung einerseits und einer individuellen Strafbarkeit von Kriegsverbrechen andererseits schreibt Daniela Demko (Universitäten Luzern/ Basel) unter dem Blickwinkel der Rechtsphilosophie und des internationalen Strafrechts. Verbindungslinien zwischen der ethischen, rechtlichen und politischen Sicht von „Interventionen" zieht zum Abschluss Wilfried Hinsch (Universität Köln).