BAND 10 - Verantwortung und Moral in der Wirtschaft

Inhaltsverzeichnis
Ernst Bärtschi
Verantwortung im globalen Konzern: Wachstum und Commitment versus Copliance
Eckart Sünner
Die Industrie im Spannungsfeld zwischen Kommerz und Gesetz – and beyond?
Hartmut Kliemt
Die Moral der Krise?
Richard Raatzsch
Über die Ehrbarkeit des Ehrbaren Kaufmanns
Holger Burckhart
Moralisch sein in einer globalen Wirtschafts- und Gefahrenzivilisation
Holger Burckhart
Orientierung, Normierung oder gar Steuerung durch Philosophie – Wirtschaft in der Legitimationskrise
Friedhelm Hengsbach SJ
„Moral an die Börse“? – Der Finanzkapitalismus unter dem Anspruch der Gerechtigkeit
Rudolf Fuhrmann
Wirtschaftsethik und Finanzkrise
Hans-Balz Peter
Ethik in der Assekuranz
Hartmut Ihne
Moralische Vernunft und ökonomische Rationalität  

Vorwort
Die dramatische Entwicklung an den Finanzmärkten und die dadurch ausgelösten tiefgreifenden Auswirkungen auf jeden Einzelnen führten in der Öffentlichkeit zu einer kontroversen Diskussion. Mit unserer Veranstaltung „Verantwortung und Moral in der Wirtschaft – mehr als ein frommer Wunsch?“ wollten wir die Problematik aus verschiedenen Sichtweisen darstellen. Dies war zum einen die Unternehmersicht. Hier zeigte Ernst Bärtschi die Verantwortung eines globalen Konzerns zwischen Wachstum und Committment versus Compliance auf. Er betonte dabei, dass das Wachstum des Wohlstandes immer der Motor des menschlichen Handelns sein wird und dass es ohne Vertrauen kein Committment gibt. Im Kontext von „richtig oder falsch“ und „goldener Mitte“ fasste er die zu fordernde Verantwortung in strategische zugespitzten Fragen zusammen. Eckart Sünner beleuchtete die Problematik am Spannungsfeld der Industrie zwischen Kommerz und Gesetz. Ausgehend von dem bekannten Brecht-Zitat, dass erst das Fressen kommt und dann die Moral, machte er deutlich, dass kommerzielle Geschäftstätigkeit und die damit verfolgte Absicht der Gewinnerzielung Eckpfeiler unseres marktwirtschaftlichen Wirtschaftssystems sind. Und es ist die Verantwortung insbesondere für die persönliche Sicherheit des Kollegen oder Mitarbeiters, des Kunden, für die anvertrauten Anlagen, für die Umwelt, die das Spannungsfeld zwischen der korrekten Einhaltung der normativen Vorgaben und dem Gewinnstreben ausmacht. Aus universitärer Sicht zeigte Hartmut Kliemt die Moral der Krise auf. Hier stellte er in den Mittelpunkt die Themen Orte der Moral, weniger Moral ist möglicherweise mehr, Intoleranz gegen die Intoleranten, Wirtschaftliche Kernfreiheit, Krisen und versah die Ausführungen „Moralische“ Antworten auf die Krise“ und „Dem eigenen Urteil oder dem Markt vertrauen“ mit einem Fragezeichen. Richard Raatzsch reflektierte die Ehrbarkeit eines ehrbaren Kaufmanns früher und heute. Er führte dies an Folgendem aus: Soweit es auf den Kaufmann als solchen ankommt und soweit dieser dadurch gekennzeichnet ist, dass er seine Verträge mit Selbstverständlichkeit einhält, zu seinem Wort steht, ohne dazu eines Grundes zu bedürfen usw., kann man sagen, dass er nicht Ehrlos ist, und zwar selbst dann nicht, wenn alle Kaufleute nur Betrüger wären. Denn es gehört dann zum Begriff des Kaufmanns, Verträge einzuhalten, ohne dafür eines Grundes zu bedürfen. Eine Form der Ehrlosigkeit eines tatsächlichen Kaufmanns besteht also darin, die Ausnahme von der Regel zu sein.Aus kirchlicher Sicht forderte Friedhelm Hengsbach: "Moral an die Börse!" Er erläuterte, dass seit dem Absturz der Börsenkurse sich die Journalisten darüber einig sind, dass die Investmentbanker bei ihren Finanzgeschäften während der vorhergehenden Börseneuphorie von "nackter Gier" getrieben gewesen seien. "Wir alle haben Fehler gemacht", kommentierte Rolf-E. Breuer den Kursverfall und die Strukturkrise der Großbanken. Auch Klaus-Peter Müller, der Chef der Commerzbank, bestätigte, dass die Banken Fehler gemacht hätten. Aber sind Fehlverhalten, Gier und moralisches Versagen der Finanzakteure der Schlüssel, um die allgemeine wirtschaftliche Stagnation und die Funktionsdefizite der Börsen und Finanzmärkte zu erklären? Aus Beratersicht versuchte Rudolf Fuhrmann, die Interdependenzen von Wirtschaftsethik und Finanzkrise nachzuzeichnen. Dabei setzte er sich mit dem eingetretenen Wertewandel auseinander. Durch den Glauben an grenzenloses Wachstum wurden grundlegende – ethische – Prinzipien vernachlässigt. Aber er zeigte auch positive Ansätze in der Beratung von Kunden. Hans-Balz Peter setzte sich mit der Ethik in der Assekuranz auseinander. Dieser Beitrag führt vom Allgemeinen über Ethik und ethische Methode hin zu spezifischen Fragen einer Versicherungsethik und zum Umgang mit der „ethischen Dimension“ bei praktischen Fragestellungen aus dem Versicherungswesen. Ergänzt werden die Beiträge durch Ausführungen von Holger Buckhart, der sich mit den Themen „Moralisch sein in einer globalen Wirtschafts- und Gefahrenzivilisation“ beschäftigt und im zweiten Beitrag die Frage nach „Orientierung, Normierung oder gar Steuerung durch Philosophie – Wirtschaft in der Legitimationskrise“ aufwirft. Zum Abschluss befasst sich Hartmut Ihne mit den Polen „Moralische Vernunft und ökonomische Rationalität“. Wir danken den Autoren für ihre fundierten Ausführungen und wünschen den Lesern neue Erkenntnisse.